Tante Emma Lädchen oder der gute Bäcker um die Ecke. All dies klingt wie ein verträumtes Märchen aus Tausend-und-eine-Nacht. Denn die Wahrheit knallt diesen meist familiär angehauchten und teilweise leicht überteuerten Kleinunternehmen die Tür vor Nase zu. Discounter räumen ab und die Qualität ihrer Produkte ist ganz gewiss nicht von vorgestern!
2010 bringt frisches Brot zu Schnäppchenpreisen
Discounter L. setzt auf Automaten. König Kunde erhält nun in Minutenschnelle frische Backwaren auf Knopfdruck. Und dies zu extrem günstigen Preisen!
Bäckereien wehrten sich gegen gewisse Öffnungszeiten. Sonntags backen und Brötchen verkaufen? Wo leben wir denn! Es ging ein Aufschrei durch die Nation und die Bäcker hofften, dass sie nach ihrem heftigen Aufbegehren den Machtkampf, Kunde möchte auch sonntags frisches Brot oder Brötchen, gewonnen hätten. Schließlich wird beste Qualität und Handarbeit geboten. Die harmlose sonntägliche Backanfrage stieß auf taube Ohren. Brot backen ist Handarbeit, kostet Zeit und Mühe! Keine Chance für den Sonntag. Dieser ist heilig und darf nicht missbraucht werden.
Die Bevölkerung schluckte diesen großen, harten Brocken leider nicht. Kurz vorm Ersticken erlösen uns nun die ach so bösen Discounter. Was Bäcker XYZ nicht kann, bietet nun L. und bald auch A. nur allzu gerne.
Die Falle schnappt langsam aber sicher zu
Wie man sich bettet… Zähneknirchen und Grollen folgten. Die Großen schlucken die Kleinen, hieß es.
Ist das wirklich so? Oder haben die Kleinen nur etwas zu kurz gedacht? Darf man den Kunden etwas verweigern und Waren strikt teurer anbieten?
Gemüse ist auch dann noch Gemüse, wenn ich es beim Discounter kaufe. Muss ich mir ein schlechtes Gewissen einreden lassen, nur weil es nach der Meinung des kleinen Obstladens um die Ecke einen Hochverrat gleichkommt? Soll ich mich verschleiern, mit anderer Stimme reden, damit keine Schande über mich kommt? Allmählig wird es mir bange. Ich darf nicht dort einkaufen, wo ich will. Ich muss den armen Obsthändler um die Ecke unterstützen, weil er eine Frau und tragischer Weise auch noch zehn Kinder zu versorgen hat!
Ja, liebe Leute. Ich fahre auch keinen Jaguar und muss auch meine Rechnungen begleichen. Mich fragt auch niemand, ob ich genug verdiene, um Kind, Auto und Urlaub finanzieren zu können.
Am Besten suche ich mir einen Zweitjob, damit ich höhere Preise gerne bezahle. Kann oder darf so etwas sein?
Preiskampf: Wer faire Preise und beste Qualität bietet sollte Respekt ernten
Ich sage es nun frei heraus. Scham empfinde ich während eines Discounter-Einkaufs schon lange nicht mehr. Warum auch?! Ich achte weiterhin auf gute Qualität und schone meine Umwelt, indem ich mitdenke, nichts Überflüssiges oder Schädliches kaufe.
Wenn nun mal Kartoffeln und Pflegeprodukte bei dem Discounter A. günstig zu erwerben sind, dann kaufe ich sie halt dort und stehe offen dazu.
Hat Discounter L. mal wieder leckeres Obst zum Dumping-Preis, greife ich auch dort gerne zu.
Und zur Beruhigung aller Klein- und Familienunternehmen. Besondere Artikel oder Spezialitäten kaufe ich immer noch gerne bei Euch. Denn trotz allem seid Ihr mir mehr lieb als zu teuer.
Abwechslung und Vergleich ist dem Bürger erlaubt. Wenn alle mitmachen und keiner sich sperrt, geht auch diese Geschichte, dieser Preiskrieg gut aus.
Davon bin ich überzeugt!

