Der Benzingipfel in Berlin am 8. März 2011 erschüttert Verbraucherzentrale, Umweltschützer, ADAC und Grüne sowie Wirtschaft und ein Großteil der Verbraucher selbst.
Laut Online-Umfrage von auto.t-online.de mit Stand 10. März 2011, ca. 8 Uhr, wollen 88 % der 37.867 Online-Wähler auch künftig kein E10 tanken! Nur 4,5 % der Online-Wähler stimmten mit “Ja, ich tanke wahrscheinlich E10″ und 7,5 % wollen “erst mal abwarten”.
Da ca. 4 Mio. Benziner auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, die kein Super E10 vertragen, also mit Motorschäden rechnen müssen, werden genau die Besitzer dieser Fahrzeuge wohl kaum den stark umstrittenen “Bio”-Sprit tanken. Warum auch? Die Liste der Deutschen Automobil Treuhand GmbH mit Stand 1. März 2011 sowie die umfangreiche Aufklärung des ADAC zeigen doch wohl deutlich genug, dass viele Automarken erst ab ca. Baujahr 2002 bereits für E10 ausgelegt sind. Das sind wohl höchstwahrscheinlich die, die über einen sog. Klopfsensor verfügen, nehme ich an (siehe meinen vorherigen Artikel) und vielleicht nicht über so viele korrosionsgefährdete Leitungen u. a. verfügen.
Das ist ja schön, dass unsere Bundesregierung jetzt Listen “aller” Fahrzeuge, die E10 unbedenklich (?) tanken können, an allen Tankstellen auslegen will. Doch wälzt die Bundesregierung die Verantwortlichkeit der Listen-Verteilung gleich an die Tankstellenpächter ab. Was ist denn, wenn “meine” Tankstelle keine Liste auszuliegen hat, ich E10 tanke, weil ich nicht genügend informiert bin, und mein Kraftfahrzeug nun mitten auf der Autobahn bei 120 km/h plötzlich streikt, ich dann evtl. noch einen Unfall an anderen Fahrzeugen und vor allem Menschen verursache? Wer ist dafür verantwortlich zu machen? Der Tankstellenpächter, weil er die Liste nicht ausgelegt hat? Der tut mir jetzt schon leid. Erst wird er ständig angepöbelt, dass die Benzinpreise so enorm gestiegen sind, dann, weil Normal-Benzin nicht mehr verfügbar ist, dann wird er ausgequetscht vom Verbraucher, weil diese über E10 nicht informiert sind, und dann soll er noch haftbar gemacht werden, wenn er die (aktuellsten) Broschüren nicht auslegt? Er will doch einfach nur Kraftstoff verkaufen!
Oder wird die Deutsche Automobil Treuhand GmbH vielleicht für Motorschäden und Unfallschäden aufgrund E10-Betankung zur Verantwortung gezogen, weil die Listen nicht vollständig sind oder sogar Fehler enthalten? Ach nein, in dieser Broschüre “E-10 Verträglichkeit von Kraftfahrzeugen“ wird ja darauf hingewiesen: “Quelle ist der jeweilige Fahrzeughersteller“.
Aha, der jeweilige Fahrzeughersteller ist also für Motor- und Folgeschäden bei E10-Betankung verantwortlich zu machen, wenn er nicht dafür sorgt, dass all die vielen Listen, die von verschiedensten Behörden oder Firmen ausgestellt werden, auch wirklich korrekte Angaben enthalten. Man mag sich also gar nicht ausmalen, wenn eine junge Mutter mit zwei Kindern mit einem älteren Kraftfahrzeugmodell zur 10 km entfernten Schule unterwegs ist, aus mangelnder Zeit nicht über die neuesten E10-Informationen verfügt und/oder aus Versehen E10 tankt, der Motor mitten auf der Schnellstraße im Berufsverkehr plötzlich verreckt, es zu einem massiven Unfall kommt, und diese kleine Familie vor Ort verstirbt und evtl. noch andere Verkehrsteilnehmer mitreißt. Diese junge Mutter und ihre beiden Kinder können dann keinen Fahrzeughersteller mehr haftbar zu machen, doch was ist mit den in den Unfall verwickelten Verkehrsteilnehmern? Und wie verfährt die Polizeibehörde und die Feuerwehr? Wird diese zukünftig bei jedem Unfall prüfen müssen, ob ein unfallverursachendes Fahrzeug fälschlicherweise mit E10 betankt wurde?
Und wenn die junge Mutter nun doch informiert ist und sich auf die Angaben in den Listen verlässt, dann trotzdem aufgrund verträglicher E10-Betankung Motorschäden eintreten, die zu einem Unfall führen. Wird dann der Hersteller des Fahrzeugs Schadensersatz leisten müssen, weil er nicht für korrekte Angaben in der Liste gesorgt hat? Oder wird die Verantwortung dann weitergeschoben an den Tankstellenpächter, weil er nicht die aktuellste Liste ausgelegt hat? Oder vielleicht an die Druckerei, weil sich in der ausgelegten Broschüre ein gravierender Druckfehler eingeschlichen hat? Oder doch an den einzelnen Kriminalpolizeibeamten, der vielleicht vergessen hat, das unfallverursachende Fahrzeug auf E10-Verträglichkeit hin zu überprüfen?
Wie viele langwierige, kostenaufwendige Verfahren auf den einzelnen Kraftfahrer zukommen werden, mag man sich gar nicht ausrechnen. Denn steht dieser nicht letztendlich in der Beweispflicht und wird von allen “Verantwortlichen” im Stich gelassen? Und hoffentlich hat er oder sie eine zuverlässige Rechtsschutzversicherung und Kfz-Versicherung.
Moment mal, da war doch noch der Umweltgedanke! Mein vorheriger Artikel hat ja schon darauf hingewiesen, dass von “Bio” hier wohl nicht die Rede sein kann. Hinzu kommt noch, dass die Biomasse, die für E10 angebaut werden muss, Deutschland allein schon flächenmäßig nicht anbauen kann! Also müssen die notwendigen Getreidesorten o. a. aus anderen Kontinenten nach Deutschland importiert werden. Wie viel CO2 allein für die Transporte mit Diesel-Fahrzeugen dann weltweit produziert würde, will keiner wissen, oder?! Wird das die Einführung von E10-Kraftstoff herausholen? Sicher nicht!
Mal ganz davon abgesehen, dass Lebensmittel eigentlich als Nahrung für die Menschheit eingesetzt werden sollte. Und noch nicht einmal alle Menschen auf diesem Erdball haben genügend zu Essen, sondern sterben am Hungertod! Makaber, oder?! Politiker und Wirtschaftler weltweit denken darüber nach, welche neuesten Technologien der Wirtschaft Aufschwung verleihen und gleichzeitig der Umwelt zu weniger CO2-Produzierung verhelfen sollen, gleichzeitig werden aber Arbeitskräfte für den Anbau der Biomasse in schon armen Ländern regelrecht ausgebeutet, die dann vor Kraftlosigkeit und Hunger sterben werden.
Aber ja, Frankreich und Schweden machen es uns ja vor! Da wird E85 (?) getankt und das hat den Kraftfahrzeugen auch nicht geschadet. Nur vergisst unsere Bundesregierung zu erwähnen, dass in diesen Ländern auch Kraftfahrer, die ihre Fahrzeuge auf E10-Verträglichkeit umrüsten, subventioniert werden! Warum also werden deutsche Verbraucher nicht unterstützt? Mit Solaranlagen hat das doch auch geklappt!
Und ist den Verbrauchern eigentlich bewusst, dass die Lebensmittelpreise aufgrund der E10-Einführung (oder wegen der Pleite der E10-Einführung?) massiv steigen werden?
Okay, jetzt reicht`s! Ich tanke definitiv kein E10!
Denn erstens fahre ich aufgrund fehlender finanzieller Mittel ein Kraftfahrzeug älteren Baujahrs, ein Neufahrzeug kann ich mir nicht leisten! Zweitens verträgt mein Seat Ibiza definitiv kein E10 lt. Hersteller, es würde sämtliche Leitungen angreifen und zu einem Motorschaden führen! Drittens ist dieser “Biosprit” eine Mogelpackung! Viertens sind Lebensmittel- und Benzinpreise schon genügend gestiegen in den letzten Jahren, angefangen mit der auch damals so hochgelobten Euro-Einführung! Und fünftens unterstütze ich im Allgemeinen solche unüberlegten Handlungen nicht, die Bundesregierung handelt meiner Meinung nach grob fahrlässig (schönes Wortspiel, oder? “Fahr”lässig)!
Verplombt diese E10-Säule und gebt uns Normal-Benzin wieder!
Fotoquelle: NatiSythen



