E10 schädigt Kraftfahrzeugmotoren, heißt es jetzt in der Presse. Ist das nicht schon lange bekannt? Denn warum werden schon lange Kraftfahrer darauf hingewiesen, dass sie sich beim Kraftfahrzeughersteller erkundigen sollten, ob ihr Motor den neuen Biosprit E10 verträgt oder nicht? Mein Seat Ibiza älteren Baujahrs (Benziner) verträgt nach Erkunden bei dem Hersteller jedenfalls kein E10. Ein Seat-Mitarbeiter hat mich außerdem darauf hingewiesen, dass schon nach kurzer Zeit alle möglichen Leitungen angegriffen werden würden, was zu einem sehr viel schnelleren Verschleiß und logischerweise – wenn man sich nicht drum kümmert (sprich: Leitungen ersetzen) – späteren Motorschäden führen kann. Fazit: Ich tanke solange Normal-Benzin, wie es noch an den Tankstellen verfügbar ist, da mein Seat Ibiza dafür ausgelegt ist. Schließlich warte und pflege ich Motor und Karosserie wie ein Baby, der läuft wie eine Biene, und ich habe schon jede Menge Geld in den Wagen investiert, damit ich ein sicheres Gefühl im Straßenverkehr habe und der Wagen später auch noch zu einem guten Preis wieder verkauft werden kann – wenn ich den nicht fahren will, bis er Schrott ist.
Apropos Schrott: Wurde nicht in 2008 die Abwrackprämie von 2.500 Euro für Altfahrzeuge eingeführt? Selbstverständlich sind die Verbraucher zu Scharen gekommen, denn unsere Bundesregierung hat ja zu genüge mit “Umweltschutz” geworben. Weg mit den Dreckschleudern, hin zu umweltfreundlichen Modellen, und das möglichst schnell, bevor die Abwrackprämie ausläuft, denn die Bundesregierung kann ja nur eine bestimmte Anzahl an Anträgen bewilligen! Oder ging es da nicht letztlich darum, den Neuwagen-Verkauf anzukurbeln, da die Automobilindustrie aufgrund Überproduktion enorme Kaufverluste zu verzeichnen hatte? Na, was soll`s, Hauptsache ist doch, dass man erst mal 2.500 Euro einsacken kann. Man hat dann zwar kein Auto oder keinen Zweitwagen mehr, aber macht nichts, man kann ja einen günstigen Kredit über einen Zeitraum von 10 Jahren für einen Neuwagen aufnehmen. Ist man zwar 10 Jahre lang verschuldet, aber okay, das hilft doch der Umwelt und der Automobilindustrie, super!
Apropos Super: Nun wurde eben mal Normal-Benzin vor einiger Zeit zuerst preislich dem teueren Super-Benzin einfach angepasst, weil von den in 2008 zugelassenen 3,1 Mio. “Neu”-Fahrzeugen in Deutschland gerade mal 80.000 Normalbenziner gewesen wären, und sich angeblich die Einkaufspreise von Normal und Super kaum noch unterschieden. Interessant: denn a) wurden anscheinend mithilfe der Abwrackprämie jede Menge Neufahrzeuge mit Super-Benzinmotoren gekauft (und nicht etwa Elektrofahrzeuge oder sonstige umweltfreundliche Fahrzeuge), und b) war von “Gebraucht”-Fahrzeugen, die in 2008 unterwegs und Normalbenziner waren, nicht die Rede! Klar, jetzt wurden ja dank Bundesregierung genügend Neufahrzeuge verkauft, diese konnte also jetzt beruhigt an die nächste Phase gehen. Mal ganz davon abgesehen, wie viel CO2 verbraucht wird, wenn man einen Neuwagen importieren lässt, wirklich alles sehr umweltfreundliche Taten.
Nun bemerkten deutsche Kraftfahrer in 2008, dass plötzlich Kraftstoffe im Allgemeinen teurer geworden sind, und Super eben genauso viel wie Normal-Benzin kostet. Warum sollte man also noch Normal-Benzin tanken, wo doch Super-Benzin zum gleichen Preis zu haben ist? Schließlich hat sich bei dem einen oder der anderen herausgestellt, dass diese(r) mit Super-Benzin plötzlich weniger verbraucht als wie mit Normal-Benzin-Tankfüllung, im Schnitt würde man also ca. 2 Euro pro Tankfüllung günstiger fahren. Richtig! Hier geht es wieder nur um neuere Kraftfahrzeuge, die einen sog. Klopfsensor besitzen, der der Motoreneinstellung automatisch anpasst. Ältere Fahrzeuge, die keinen Klopfsensor besitzen, verbrauchen sogar teilweise mit Super mehr als mit Normal-Benzin. Okay, das ärgert den Besitzer eines älteren Fahrzeugs schon, dass er weniger im Geldbeutel hat, aber tankt man halt Super mit E5-Anteil, schadet ja dem Fahrzeug nicht. Haben die Bundesregierung und vor allem die Ölkonzerne doch prima hingekriegt: Keiner kauft mehr Normal-Benzin, weil es Super ja zum gleichen Preis gibt, also weg mit den Normal-Benzin-Tanksäulen. Auf zum nächsten Schritt.
Gut, dass Super-Benzin zwischenzeitlich eigentlich hätte im Preis gesenkt werden müssen, wenn eine Tanksäule leer steht, ist zu der Zeit auch nicht unbedingt zum Verbraucher durchgedrungen. Aber es dauerte ja nicht lange, bis die Normal-Benzin-Tanksäule durch E10-Füllung ersetzt wurde. Selbstverständlich geht es hier wieder um die Umwelt! Denn E10 ist Biosprit! Mh, E10 besagt doch, dass der Benzinmischung 10 % Bio-Ethanol beigemischt werden. Also 90 % tankt man herkömmliches Benzin (sprich: Kohlenwasserstoffe, Ether, Alkohole, Phenole, Komplexbildner, Amine). Der Bio-Sprit besteht also zu 90 % aus raffiniertem und weiterverarbeitetem Erdöl! Aber aus was wird nun E10 gewonnen?
Bioethanol (Ethylalkohol) wird in Deutschland aus stärkehaltigen Pflanzen gewonnen (Weizen, Roggen, Zuckerrüben). Diese nachwachsenden Rohstoffe verursachen weniger Treibhausgase. Klingt gut, oder?! Da aber beim Herstellungsprozess auch fossile Energien verbraucht werden (sprich: Braunkohle, Steinkohle, Torf, Erdgas, Erdöl), kann der von der Regierung beabsichtigte sog. CO2-Kreislauf gar nicht vollständig geschlossen werden. Also eine Mogelpackung? Und dafür soll der Kraftfahrer auch noch mehr als für Super-Benzin zahlen mit E5-Anteil? Mal ganz abgesehen davon, dass Normal-Benzin ja damals noch viel günstiger war, ein verstärkter Anbau von nachwachsenden Rohstoffen für E10 erforderlich ist, was wiederum mehr fossile Energien für den Herstellungsprozess benötigt.
Wo der Strom für die Maschinen beim Herstellungsprozess herkommt, will man gar nicht wissen, oder?! Ach ja, unsere liebe Bundeskanzlerin hat ja 10-jährige Verlängerungsfristen ohne Widerspruchsmöglichkeit den Atomwerklern genehmigt. So schließt sich doch wieder der Kreislauf der Bundesregierung Hand in Hand mit den Ölkonzernen, oder was?! Denn warum sollten die Hersteller von Bio-Ethanol teuren Strom erneuerbarer Energien verwenden, wo es Atomstrom doch viel günstiger gibt? Man belehre mich eines Besseren, wenn ich falsch liege!
Aber da gibt es ja noch die Oktanzahl (ROZ). Hier gibt es doch tatsächlich Kraftfahrer, die davon überzeugt sind, dass, je höher die Oktanzahl im Kraftstoff ist, desto effizienter würde die Verbrennung im Motor ablaufen, was dann den Wirkungsgrad des Motors verbessern und sich letztendlich positiv auf den Verbrauch auswirken würde. Hier erst mal die Übersicht:
Normalbenzin (ROZ 91)
Superbenzin (ROZ 95)
Super plus (ROZ 98)
V-Power von Shell (ROZ 100)
Super E10 (ROZ 104)
Also kann der Kraftfahrer jetzt mit E10 – wenn er schon nicht wirklich die Umwelt schützt – wenigstens noch sparen? Schließlich hat Super E10 die höchste Oktanzahl anzubieten. Dazu muss man erst einmal wissen, dass die Oktanzahl ein bestimmtes Maß für die Klopffestigkeit eines Ottokraftstoffes (also nicht Diesel) definiert. Und je höher die Oktanzahl, desto schwerer entzündbar ist diese Mischung. Daraus folgt: Je schwerer entzündbar, also je höher die Klopffestigkeit, umso schwieriger kann die Verbrennung im Motor ablaufen, was dann den Wirkungsgrad des Motors deutlich verschlechtert!
Also abgesehen davon, dass man mit Super E10 nicht wirklich der Umwelt was Gutes tut, sondern eher den Ölkonzernen, dafür noch mehr bezahlen muss als für Normal- oder Super-Benzin, dass dieser angebliche Biosprit den Motor des Fahrzeugs (insbesondere ältere Modelle) massiv angreifen kann, und vor Kurzem auch noch das Gerücht umging, dass für E10 auch noch Bäume gefällt werden, bleibt was?
Korrekt! Erst mal die Produktion von Super E10 einstellen – denn der Verbraucher wurde ja nicht richtig aufgeklärt, und das trotz der überall an den Tankstellen ausliegenden Broschüren und der schon vor Jahren ausgesprochenen Hinweise, dass man den Autohersteller erst mal fragen sollte, ob der Motor seines Fahrzeugs auch E10 verträgt. Außerdem hat wohl BMW jetzt den Beweis geliefert (und das interessiert vor allem alle Kraftfahrer, die VW, Mercedes, Seat, Fiat, Renault, etc. mit Benzinmotoren fahren), dass E10 wohl den Motor zerstört. Alle Achtung, dass das jetzt schon publik gemacht wurde, wo doch Normal-Benzin bereits so gut wie vom Markt genommen wurde, alles auf E10-Tanksäulen umgestellt wurde! Ups, da haben die Kraftfahrer doch tatsächlich mehr Super-Benzin getankt mit E5-Anteil als Super E10, weil diese völlig verunsichert sind. Da kann man doch mit E10 keine Mark (ähem, Euro) mehr machen.
Okay, also Umweltgedanken weglassen, Super E10 erst mal vom Markt nehmen, und abwarten, bis sich alles beruhigt hat und in Vergessenheit geraten ist, oder wie lautet die neue Strategie? In der Zwischenzeit könnte die Bundesregierung ja noch verstärkter Knöllchen ausstellen – wie wäre es mit Raben, die auf der Suche nach Futter das Innere der Mülltonnen nach außen kehren? In diesem Sinne bleibe ich dabei: Ich fahre weiterhin meinen alten Seat Ibiza, solange es geht, tanke weiterhin Normal-Benzin, solange das noch irgendwo verfügbar ist, und pflanze lieber eigenhändig einen Baum, bevor es keinen mehr gibt.


