Die letzte Pisa-Studie hat es wieder gezeigt. Lesen und das Gelesene verstehen, sind keine selbstverständlichen Fertigkeiten für Schüler der 9. Klassen. Schon Wörter wie „Bundesministerium“ oder „Führerscheinprüfung“ bringen die 15jährigen ins Stottern und das Verständnis für den laut vorgelesenen Text ist auch oft mehr als mangelhaft. Nun kann man jammern und sagen: Oh weh, die Jugend von heute ist einfach desinteressiert und unmotiviert, sinnvoller ist es jedoch nach einem Grund dafür zu suchen.
Wo sind die Bücher hin?
Noch vor zwei oder drei Jahrzehnten standen in den meisten Kinderzimmern Bücher oder Comics. Heute liegen dort Handhelds, Computerspiele, Handys und ähnliche Unterhaltungselektronik. Mit Superhelden die Welt vor dem Bösen zu retten macht sicherlich Spaß und auch gemeinsames Spielen ist mittlerweile normal; die kleinen, virtuellen Helden sind somit kein Grund mehr zur Vereinsamung des Nachwuchses. Aber mehr als die Anleitung für ein Game oder eine Ankündigung für den Nachfolger eines Klassikers lesen die Kids von heute nur selten. Zeitungen empfinden sie als langweilig und sogar die einst so begehrten Jugendzeitschriften werden immer seltener gelesen.
Sicherlich ist ein Grund für diese Veränderung auch in der Generation der Eltern der heutigen Kinder zu sehen. In den 1970ern geboren, kamen sie doch als erste Generation mit Amiga und Commodore in Berührung. Diese primitiven Heimcomputer mit ihren einfachen, pixeligen Grafiken zogen alle in ihren Bann und so kann man leicht nachvollziehen, dass die heutigen Games erst recht faszinierend auf viele Menschen wirken. Doch wo sind die guten alten Detektivgeschichten und Jugendromane geblieben? Geschrieben werden sie noch immer und auch die Klassiker wie Hitchcocks „Die drei ???“ kann man heute noch kaufen.
Vorbilder zum Nachahmen
Kinder ahmen die Erwachsenen nach, denn so lernen sie wie die Welt funktioniert. Wer als Kind nie jemanden sieht, der die Nase in ein Buch steckt, wird sicherlich selbst nur selten auf den Gedanken kommen, es auszuprobieren. Dabei werden mir alle Leseratten Recht geben, wenn ich behaupte: Lesen macht Spaß, wenn das Thema stimmt. Wer gern liest, wird auch keine Probleme mit dem Text-Verständnis haben und die Pisa-Studie wäre vielleicht ein wenig anders ausgefallen. Also liebe Eltern: Erinnert euch an die kleinen, handlichen Teile aus bedrucktem Papier, die euch vor langer Zeit viele phantasievolle Stunden beschert haben und nehmt mal wieder ein Buch in die Hand.

