So richtig ist es noch gar nicht Herbst gewesen, schließlich fehlten noch all die üblichen Herbststürme, die im Oktober über Deutschland ziehen. Dennoch wird vom Einzelhandel mit Pauken und Trompeten die Weihnachtszeit eingeläutet. Kaum betrete ich in diesen Tagen ein Geschäft, drängen sich schon die Zimtsterne, Lebkuchen und der Spekulatius in das eigene Blickfeld.
In den ersten Tagen fällt der entsetzte und entrüstete Gang vorbei an all den Leckereien noch leicht. „Solch ein Unsinn“ höre ich mich selber sagen, während ich an den bunt verpackten Schokoladen und Adventskalendern vorbeiziehe. Ungleich schwieriger wird es für Mütter, die mit ihren Kindern diesen Versuchungen widerstehen müssen. „Einen Weihnachtsmann bekommst Du, wenn Weihnachten ist!“ höre ich eine resolute Mutter ihrem Nachwuchs tadelnd mitteilen. Wenn das so einfach wäre … Letztendlich blieb ihr nichts anderes übrig, als eine andere Schokolade zu kaufen. Stolz zog sie zur Kasse, hatte sie doch den Versuchungen des allgemeinen Weihnachtswahnsinns widerstanden.
Mir fällt das nach einigen Tagen schon deutlich schwieriger. Immer öfter verharre ich vor den nach Weihnachten und Winter riechenden Süßigkeiten. Nur mal schnell schauen, was es dieses Jahr denn so kostet … „Das ist aber unverschämt!“ denke ich und gleichzeitig noch ein Grund, diesen Weihnachtswahn nicht mitzumachen. Ich boykottiere, ebenfalls mit stolzgeschwellter Brust, die Weihnachtstische und gehe zur Abteilung für Süßwaren, wo ich eine lilafarbene Schokolade kaufe – auch nicht ganz billig, aber auf jeden Fall lecker.
Eine Woche später ist der Widerstand langsam aber stetig weggebröckelt. Als ich am Weihnachtsregal vorbeischlendere, fällt eine Tüte Marzipankartoffeln auf den Boden – wie zufällig, ich konnte gar nichts dafür. Ich hebe die Tüte auf, blicke mich verstohlen um und denke: Na ja, jetzt hast Du sie schon mal in der Hand …. Dieses Jahr habe ich immerhin schon 8 Tage durchgehalten!

