Die Werbung verspricht heute allerhand Dinge, von denen im Grunde niemand glauben kann, dass sie tatsächlich funktionieren könnten. Dabei setzt die Werbung immer dort an, wo es wehtun könnte. Bei schmutziger Wäsche, weil kein Markenwaschpulver eingesetzt wurde, bei unzufriedenen Kindern, weil Mama den falschen Joghurt gekauft hat oder bei einem rasierten Mann, der dennoch beim Küssen kratzt. Das alles sind natürlich Mankos, die nicht wirklich schön sind, aber Frauen haben im Laufe der Evolution gelernt, damit umzugehen. Wenn es allerdings um unser eigenes Äußeres geht, kennen wir kein Pardon. Hier schmerzt das Salz in der Wunde tatsächlich und jeder Spot im Fernsehen legt seinen Daumen wieder auf die schmerzende Stelle. Ja, es geht hier um Falten, um unsere Falten.
Unweigerlich kommt im Leben einer jeden Frau der Moment, wo sie die ersten Falten im Spiegelbild erblickt. Seien wir doch mal ehrlich, das ist nicht erst mit vierzig Jahren der Fall, sondern schon viel früher. Früher stört es aber nicht so sehr, weil es nicht in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Aber ab vierzig gehören Falten einfach zum Leben dazu. Die Industrie hat eine Vielzahl unterschiedlicher Faltencremes auf den Markt gebracht. Sie sind bei der Kosmetikerin, in der Parfümerie, der Drogerie oder der Apotheke erhältlich. Und auch die Reformhäuser ziehen mit und bieten Antifaltencremes aus natürlichen Rohstoffen an. Je nach Beschaffungsort variieren die Preise sehr deutlich. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe offenbart jedoch, dass es nur wenige Unterschiede gibt, die auch von einem Laien nachvollzogen werden können.
Nun beginnt die Phase, in der jede Frau morgens und abends die Antifaltencreme aufträgt und dabei mit Argusaugen begutachtet, ob die Falten schon weniger geworden sind, die Krähenfüße an den Augen verschwinden und die Zornesfalte schmaler wird. Noch schlimmer als keine Verbesserung wäre nur eine Verschlechterung des Status quo. Eines zur Beruhigung: Es tritt eine Verbesserung ein. Sie liegt allerdings weniger in der Anwendung der Cremes, sondern vielmehr in der Akzeptanz unseres neuen Spiegelbilds. Wir lernen, unsere Falten in das Gesicht zu integrieren und stellen fest, dass es sich um Lachfalten handelt, Falten also, für die wir viel Spaß im Leben gehabt haben. Sollen wir diesem offensichtlichen Ausdruck unserer Lebensfreude nun tatsächlich mit Botox zu Leibe rücken, um die Falten zu glätten und wieder wie 30 auszusehen? Die Antwort darauf finden wir nicht im Kleingedruckten der Beipackzettel unserer Antifaltencremes, sondern nur in den Gesichtern der Menschen, die wir lieben.

